Der (noch) unterschätzte Ort für Unternehmertum: die Grundschule
In Schüler:innenfirmen sind Jungen häufig Geschäftsführer und die Mädchen in der Kommunikation oder Gestaltung eingebunden. Diese Beobachtung macht Lisa Scheddin, Projektleitung bei der Stiftung Bildung, immer wieder im Rahmen des Förderprojekts youstartN. Sie schreibt im Gastbeitrag über die Bedeutung von Entrepreneurship Education und warum bereits die Grundschule der richtige Ort ist, Führungskompetenzen zu vermitteln.

Ich möchte mit einem Vergleich beginnen: Im Sport startet die Nachwuchsförderung lange vor der Jugendmannschaft. Kleine Kinder probieren sich aus, trainieren kontinuierlich und wachsen mit ihren Aufgaben. Warum warten wir beim Vermitteln unternehmerischer Kompetenzen immer noch bis zur Oberstufe ab? Entrepreneurship Education sollte stattdessen mehr wie Nachwuchsförderung gedacht und bereits im Kindesalter angesetzt werden.
Wir sind mit der Stiftung Bildung seit vielen Jahren im Bereich Entrepreneurship Education in Schulen aktiv und finanzieren Schülerinnenfirmen aus Spendengeldern. An einer Grundschule führt eine neunjährige Schülerin beispielsweise ihre eigene kleine Firma. Einmal pro Woche verkauft sie mit ihrem Team gesunde Snacks an die Schulgemeinschaft. Ihr Team plant, kalkuliert und trifft gemeinsam Entscheidungen. Ganz selbstverständlich übernehmen alle Verantwortung und erleben, dass ihr Handeln etwas bewirkt.
Solche Erfahrungen prägen das Selbstverständnis und ermutigen Kinder, später Führungsaufgaben anzunehmen. Wir beobachten jedoch, dass insbesondere Mädchen diesen Schritt seltener gehen. Der Grund dafür ist simpel wie einleuchtend: Wenn wir junge Menschen erst im Gymnasium oder in der Ausbildung mit Unternehmertum in Kontakt bringen, haben sich Rollenbilder vielfach gefestigt. Wir sind daher überzeugt, dass Kinder bereits früher Gelegenheiten brauchen, um Verantwortung Schritt für Schritt zu erlernen und sich auszuprobieren. Schon in der Grundschule, nicht erst in der Oberstufe.
Dabei geht es uns bei Entrepreneurship Education nicht vorrangig darum, möglichst früh Gründerinnen hervorzubringen. Entscheidend ist vielmehr, dass Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Schülerinnenfirmen schaffen genau solche Erfahrungsräume. Die Stiftung Bildung hilft Schulen dabei, genau solche Lernorte aufzubauen.
Doch damit diese Räume entstehen und wachsen können, braucht es starke Partner:innen außerhalb der Schule. Hier liegt eine konkrete Gestaltungsmöglichkeit für die junge Wirtschaft. Wer Unternehmertum stärken möchte, sollte nicht erst bei Start-ups ansetzen, sondern dort, wo unternehmerisches Denken entsteht. Schon ein Einblick in die eigene Praxis, eine Partnerschaft mit einer Schülerinnenfirma oder die Bereitschaft, Erfahrungen zu teilen, kann für junge Menschen den entscheidenden Unterschied machen.
Wir laden die Wirtschaftsjuniorinnen ein, bei eigenen Initiativen Grundschulen mitzudenken. Frühzeitige Förderung ist eine Investition in junge Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen. Jede Partnerschaft sendet ein klares Signal: Wir trauen jungen Menschen Verantwortung zu. Wer heute finanziell in Schülerinnenfirmen investiert, stärkt unternehmerische Haltung und Verantwortungsbereitschaft von Anfang an. Die nächste Generation von Unternehmerinnen sitzt bereits in den Klassenzimmern. Wir sollten sie jetzt fördern, nicht erst nach dem Schulabschluss.
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